Geführte Hundewanderung mit kleiner Gruppe und angeleinten Hunden an der MoselGeführte Hundewanderung mit kleiner Gruppe und angeleinten Hunden im Weinberg

Warum Hundewanderungen anbieten kein Spaziergang ist

Hundewanderungen anbieten klingt erstmal harmlos: Bisschen laufen hier, bisschen Natur da, Hunde dabei – fertig.
Und genau deshalb werden Hundewanderungen so oft unterschätzt.

Denn in dem Moment, in dem du Hundewanderungen anbietest – egal, ob als Hundetrainer*in, mit einer Hundeschule oder als Quereinsteiger*in – ändert sich deine Rolle fundamental.

Du bist nicht mehr “einfach unterwegs”.
Du bist verantwortlich für ein Gruppenangebot mit Menschen und Hunden. 

Und das ist eine ganz andere Hausnummer als viele denken.

Ein Job, der oft unterschätzt wird

Wenn "wird schon schiefgehen" zum Konzept wird

Viele Hundewanderungen entstehen aus einer guten Idee heraus.
Du bist gerne draußen, magst Gruppen, kennst Hunde – und denkst:

“Das ist kein Hexenwerk, das krieg ich hin.”

Privat mag das stimmen.
Gewerblich sieht die Realität anders aus.

Denn sobald du Hundewanderungen anbietest, bist du nicht mehr in der Rolle der Teilnehmenden.

Du bist verantwortlich für:

  • den Ablauf
  • die Gruppenzusammensetzung
  • die Sicherheit
  • die Kommunikation
  • und das, was passiert, wenn etwas nicht rund läuft

Dieser Rollenwechsel wird oft unterschätzt – und genau hier beginnen die meisten Probleme.

Wenn du lernen willst, wie sich dein Angebot auch finanziell trägt,
schau dir meinen Minikurs zur Preiskalkulation von Hundewanderungen an:

Was sich ändert, sobald du Hundewanderungen anbietest

Vom privaten Spaziergang zur Veranstalterrolle

Hundewanderung ist kein Spaziergang

Privat kannst du jederzeit umdrehen.
Privat kannst du Konflikten aus dem Weg gehen.
Privat haftest du im Zweifel nur für dich selbst und deinen Hund.

(Da reicht die klassische Tierhalter-Haftpflichtversicherung, und du brauchst keine Betriebshaftpflicht für Outdoor-Veranstaltungen.)

Als Anbieter*in von Hundewanderungen gilt das nicht mehr. Du organisierst schließlich ein Angebot, zu dem andere Menschen kommen, mit Erwartungen, Hoffnungen – und v.a. mit Hunden, die du nicht kennst.

Du gibst einen Rahmen vor.
Und dieser Rahmen wirkt – ob bewusst oder unbewusst.

Auch als Hundetrainer*in: Du bist nicht mehr in der Unterrichtsrolle

Gerade für Hundetrainer*innen ist dieser Punkt wichtig.
In einer Trainingsstunde bist du in einer klaren Rolle: Du erklärst, beobachtest, gibst Impulse, korrigierst.

Bei Hundewanderungen funktioniert das nicht mehr so eindeutig.

Hier geht es nicht darum, Verhalten zu verändern oder Trainingsziele zu erreichen. Sondern darum, einen sicheren, tragfähigen Rahmen für eine Gruppe zu schaffen. Und trotzdem Raum für Spaß, eine gute Atmosphäre und Unterhaltungen zu lassen.

Das heißt nicht, dass du weniger Kompetenz brauchst –
sondern eine andere Art von Aufmerksamkeit:

• Wer passt gut zusammen?
• Wo kippt Stimmung – bei Mensch oder Hund?
• Wann braucht es Struktur, wann Entlastung?

Hier ist ein Perspektivwechsel nötig – aber keine Sorge: Der ist lernbar.
Du musst nicht alles sofort perfekt können. Du musst nur aufhören, es “nebenbei” zu behandeln.

 

Mensch-Hund-Gruppen sind mehrdimensional – verschiedene Spezies, die interagieren

2x unterschiedliche Gruppendynamik, ein Raum

Was viele bei Hundewanderungen unterschätzen:
Es laufen immer zwei Gruppen parallel.

• eine menschliche
• eine hündische

Und beide beeinflussen sich gegenseitig.

Beispiel: Zwei Frauchen bleiben stehen und plaudern angeregt – während ihre Hunde sich längst gegenseitig unter Druck setzen.

Oder: Die Menschen sind entspannt, während ein Hund still, leise und unauffällig in Stress rutscht.

Dass auch Unterhaltung zwischen Menschen nicht immer nur positiv sein muss, ist nichts Neues für dich. Und du hast sicher auch schon mal erlebt, dass dein Hund deine Anspannung spiegelt…

Warum Konflikte selten plötzlich entstehen

Konflikte entstehen selten aus dem Nichts.
Sie bauen sich auf.

Leise.
Schleichend.
Oft über viele kleine Signale hinweg.

Wer Hundewanderungen anbietet, braucht kein perfektes Timing –
aber ein Gespür dafür, wann interagiert werden sollte (Spoiler: Je früher, desto besser).

Gruppendynamik eskaliert nicht beim Knall.
Sie eskaliert, wenn vorher niemand hingeschaut hat.

Warum Hundewanderungen fachlich oft falsch eingeordnet werden

Der Vergleich mit anderen Freizeitangeboten

Es gibt viele Freizeitangebote mit Hund:

• Kanutouren mit Hund
• Eselwanderungen mit Hund
• Waldbaden mit Hund

Bei all diesen Angeboten ist für Außenstehende klar:
Dafür braucht es spezialisierte Anbieter*innen.

Niemand würde sagen:

„Ach, Kanufahren – wird schon gehen.“

Oder:

Ein Esel läuft halt mit.“

Bei Hundewanderungen passiert genau dieser Denkfehler ständig.

Weil Wandern harmlos klingt.
Weil Hunde sowieso dabei sind.
Weil viele das privat auch machen.

Merke dir: Sobald du Hundewanderungen anbietest, bist du Veranstalter*in.

Nicht Gassigeher*in.
Nicht Privatperson.
Und auch nicht „jemand mit Hundeerfahrung“.

(Übrigens: Auch Tätigkeiten wie  Hundesitting  oder  Gassiservice folgen anderen Regeln als geführte Gruppenangebote.)

Kanu mit Hund

Haftung, Verantwortung und Realität

Fragen, die vor dem ersten Termin geklärt sein müssen

Was oft nicht sauber durchdacht ist:

• Wer haftet, wenn etwas passiert?
• Welche Versicherung greift überhaupt?
• Wo findet die Wanderung statt – und darf sie dort stattfinden?
• Welche Regeln gelten für Freilauf?
• Welche Vorgaben/Gesetze sind ansonsten einzuhalten?
• Was passiert bei Konflikten innerhalb der Gruppe?

Das sind keine Spitzfindigkeiten.
Das sind Grundlagen.
Und diese gehören zur Verantwortung,
sobald man Menschen und Hunde geführt durch öffentlichen Raum bewegt.

Warum Dumpingpreise niemandem helfen

Mathematik statt Moral

Gerade in der Branche rund um den Hund entfachen sich oft Diskussionen über “angemessene Preise”. Das ist nicht verwunderlich, denn bei unseren Haustieren werden wir schnell irrational.

“Und Hundewanderungen sind doch kein echtes Arbeiten.”

Oder?

Lass uns mal genau hinsehen.

Ein Angebot für 10, 15 oder 20 Euro pro Person lässt in der Regel keinen (oder viel zu wenig) Raum für:

• Vorbereitung
• Absicherung
• Verantwortung
• Qualität

Das hat nichts mit Abzocke zu tun.
Sondern mit schlichter Mathematik.

Wenn Angebote sich nicht tragen, wird an genau den Stellen gespart,
die eigentlich Sicherheit und Qualität ausmachen.

Das schadet:

• den Anbietenden
• der Branche
• und damit am Ende auch unseren Hunden

Warum fair kalkulieren Verantwortung ist

Faire Preise sind kein Egoismus.
Sie sind ein Zeichen von Professionalität.

Sie zeigen:
Hier hat jemand verstanden, was dieses Angebot wirklich bedeutet.

Oder, wie meine Oma gesagt hätte:

„Wer billig kauft, kauft zweimal.“

Wenn du selbst Hundewanderungen anbietest (oder es vorhast)

Vielleicht liest du diesen Artikel, weil:

• du bereits Hundewanderungen anbietest
• du als Hundetrainer*in überlegst, dein Angebot zu erweitern
• oder du spürst, dass sich dein aktuelles Angebot nicht rund anfühlt

Dann ist genau hier der Punkt, an dem Klarheit hilft.

Nicht mehr Einsatz.
Nicht mehr Werbung.
Sondern ein realistischer Blick auf Verantwortung und Zahlen.

Minitool: Preiskalkulation für Hundewanderungen.

Nicht als Marketing-Gimmick,
sondern als Arbeitsgrundlage für dich.

So berechnest du realistisch:

• deine Ausgaben rund um Versicherung, Fahrtkosten usw.
• dein Zeitaufwand und damit
• dein tatsächliches Honorar.

Wenn du langfristig vom Arbeiten mit Hund leben willst, sind Hundewanderungen oft Teil eines größeren Gesamtmodells – nicht das ganze Bild.

Über die Autorin

Birgit Imhof ist Gründerin von Schnauzentrip® und Freizeitexpertin für die Branche Hund. Sie entwickelt abwechslungsreiche Angebote für Mensch-Hund-Gruppen – professionell, verantwortungsvoll und so kalkuliert, dass sie sich auch wirtschaftlich tragen.

Ihr Fokus: Konzepte ohne Materialschlepperei, ohne Orga-Panik und ohne Selbstausbeutung. Für Menschen, die mit Hunden arbeiten und dabei langfristig gesund bleiben wollen.

Hier findest du Birgits Angebote.

Kontakt:

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