Vom Vollzeitjob im Konzern zum Traumjob: So gelingt es Hundetrainerin zu werden

Kennst du das auch? Ein gut bezahlter, angesehener Job bei einem großen Konzern aber irgendwie bist du nicht glücklich?

So ist es mir jahrelang ergangen. Ich hatte alles, was man so im Leben einer Mitte 20-Jährigen erwartet: Job, Wohnung, Aufstiegschancen. Doch irgendwie bedrückte mich dieses Leben jeden Tag mehr – und dann kam meine Labrador-Hündin Flummi und ich begann darüber nachzudenken Hundetrainerin zu werden.

Wie alles begann: Vom Wunsch, Hundetrainerin zu werden, hin zu den ersten Schritten

Meine Reise begann bereits vor vielen Jahren. Schon als Studentin in Graz hatte ich den Wunsch nach einem Hund. Bei meinen vielen Langstreckenwanderungen wurde der Wunsch nur noch größer.

Nach meinem Studium, das mich in die Ukraine und nach Hamburg führte, kehrte ich Österreich für eine längere Zeit den Rücken und reiste drei Monate durch Australien. Auch hier wurde mein Wunsch immer stärker und ich begann zu recherchieren. Zuerst befasste ich mich mit der Hunderasse, doch dann realisierte ich, dass ich meinen Hundewunsch mit meinem zukünftigen Job als Content Managerin in einem großen Konzern vereinbaren musste. Ich musste Vollzeitjob und Hund kombinieren.

Die Recherchen zu diesem Thema waren alles andere als angenehm: In Hundeforen und Facebook-Gruppen wurden Menschen beschimpft und als Tierquäler bezeichnet, nur weil sie neben ihrem Hund auch noch arbeiten gingen. Daher ließ ich das Internet beiseite und fragte direkt bei Hundebesitzern, Züchtern und Tierheimen nach. Bei diesen Gesprächen wurde der Grundstein für meine heutige Arbeit gelegt. Nach langen Überlegungen zog im Juni 2018 meine Hündin Flummi bei mir ein.

Flummi kam im Alter von zwei Jahren zu mir und stellte innerhalb von wenigen Wochen mein Leben total auf den Kopf. Ich adoptierte Flummi direkt von einer Züchterin, die sie wegen mangelnder Zuchthund-Qualitäten abgab. Mein ganz großes Glück. Denn aus meinen Recherchen wusste, ich Welpe und Vollzeitjob ist eher schwer zu regeln.

Leider war das Zusammenleben nicht so harmonisch, wie in meiner träumerischen Vorstellung. Ich arbeitete noch immer Vollzeit, war Single und Flummi war so gar kein Vorzeigehund: Sie pöbelte an der Leine, hatte offenbar noch nie etwas von Leinenführigkeit gehört, und sie ist eine Jägerin wie sie im Buche steht. Die vielen Hundeschulen, die wir damals besucht haben, halfen uns nicht wirklich weiter. Sitz, Platz, bei Fuß – alles kein Problem. Nur draußen im Alltag, dort war alles anders.

Nach langem Überlegen und zahlreiche Hundetrainer später wollte ich die Sache selbst in die Hand nehmen und begann meine eigene Ausbildung zur Hundetrainerin. Ich lernte alles, was man als selbstständige Hundetrainerin wissen muss. Schon bald wurde mir klar, dass ich auch beruflich mit Hunden arbeiten möchte.

Gut bezahlter Job vs. Selbstständigkeit als Hundetrainerin?

Nun stand mein Entschluss fest: Ich wollte mich als Hundetrainerin selbstständig machen. In Teilzeit. Denn ich hatte damals noch viel zu viel Angst vor dem großen Sprung. Meine Firma machte mir das aber gar nicht so leicht. Eine Arbeitszeit von 30 Stunden wurde damals nur Müttern gewährt und nach monatelangen Hin und Her bekam ich endlich das Okay, meine Stunden zu reduzieren. Schon da stieß ich auf Unverständnis im Bekanntenkreis – den guten Job aufgeben? Man kann doch nicht einfach „nur“ 30 Stunden arbeiten…

Zu dieser Zeit standen auch viele personelle Veränderungen im Konzern an. Durch diverse Umstrukturierungen wurde mein Leidensdruck immer größer. Die Überstunden häuften sich, und für mich wurde immer klarer: Dieser Job macht mich unglücklich, und ich habe nicht genügend Zeit für meine Hündin.

Nach langem Überlegen, vielen Pro- und Contra-Listen und Gesprächen wagte ich den Sprung und reichte im April 2020 meine Kündigung ein. Den besten und mutigsten Schritt, den ich in meinem Leben jemals gewagt habe. Ich sollte es nicht bereuen.

Die Vorbereitung für die Selbstständigkeit als Hundetrainerin

Wenn man Eines unterschätzt, dann sind es die Vorbereitungen, die man als Selbstständige vor der Gründung treffen muss: Marketing, Gewerbeanmeldung, Steuern, Buchhaltung, Website, Positionierung und so Vieles mehr.

Der Sommer verging in Windeseile, und ich feilte an meiner Spezialisierung. Da kam mir der Anfang mit Flummi wieder in den Sinn. Ich wollte Menschen helfen, denen es genau so ging wie mir: Berufstätige mit Hund! Denn es gibt noch immer viel zu viel negative Kommentare im Internet, die einen ziemlich aus der Bahn werfen können. Mein Wunsch war und ist es, Menschen zur Seite zu stehen, die sich trotz Berufstätigkeit einen Hund wünschen. Zudem erkannte ich, dass ein Hund mit berufstätigen Hundeeltern andere Dinge können sollte als ein Hund, der den ganzen Tag betreut wird. Im Fokus standen also Bürohunde und das entspannte Alleinbleiben.

"Mein Ziel ist es, dass berufstätige Hundeeltern ihre Karriere und den Lieblings-Vierbeiner ganz ohne Stress und ohne schlechtes Gewissen kombinieren können. Das bedeutet entspannte Freizeit für Hundeeltern und ein rundum glückliches Hundeleben."

Kerstin Quast

Dieser Aufgabe stellte ich mich. So entstand auch der Name für meine Hundeschule „Vollzeit4Beiner“. Vollzeit-Vierbeiner: für Hunde mit Hundeeltern im Vollzeitjob.

Gründung: Endlich mein eigener Chef!

Im Dezember 2020 war es dann endlich soweit: Ich gründete ganz offiziell meine Hundeschule Vollzeit4Beiner. Ich vergab in der ersten Dezemberwoche die ersten Termine für das Hundetraining. Dank meinem Engagement auf Instagram, wo ich schon ab August fast täglich präsent war, konnte ich in der Eröffnungswoche meine ersten fünf Kundinnen gewinnen, die auch alle direkt einen 10er-Block buchten. Ich war unglaublich glücklich und dankbar für diesen grandiosen Start in die Selbstständigkeit.

Bedürfnisorientiertes Training: Der Hund ist keine Maschine

Eine Frage, die du dir stellen musst, wenn du auch mit Hunden arbeiten möchtest, ist: Wie möchtest du mit Hunden arbeiten?

Es gibt ja mittlerweile so viele Trainingsarten. Für mich war von Anfang an klar: Ich arbeite ohne Strafe, ohne Schreckreize, ohne Angst – ich arbeite bedürfnisorientiert, positiv und immer für den Hund. Das ist neben der individuellen Betreuung der Hauptgrund, warum meine Kundinnen zu mir finden und auch bei mir bleiben.

Als Unternehmerinnen, die mit Hunden arbeiten – egal, ob als Trainerin, Hundefriseurin, Fotografin oder ähnlichem Tierberuf – müssen wir uns entscheiden, ob wir für den Hund arbeiten oder nicht. Viel zu oft sehe ich noch Trainingsmethoden, bei denen es nur darum geht, dass der Hund “funktionieren” muss. Das ist bei mir definitiv anders: Es gibt immer einen Grund, warum ein Hund “nicht funktioniert”, also nicht das tut, was von ihm erwartet wird. Unsere Hunde sind eben keine Maschinen – daran sollten sich alle Hundeeltern immer wieder erinnern.

Online- vs. Offline-Hundetraining

Da ich meine Einzeltrainings bei den Kunden zuhause abhalte (die Probleme sollte man dort lösen, wo sie sich zeigen), fuhr ich im ersten Jahr meiner Selbstständigkeit tausende Kilometer durch ganz Oberösterreich. Gleichzeitig bekam ich immer mehr Anfragen von deutschen Hundeeltern, die mit mir zusammenarbeiten wollten. So entstand mein Online-Hundetraining. Für alle, die zu weit von mir entfernt wohnen und dennoch mit mir arbeiten möchten. Das Online-Hundetraining ist durch Corona für viele Hundeeltern ganz normal geworden. Zoom ist keine technische Hürde mehr, sondern wird von den meisten Interessenten gerne genutzt. Nach vielen Gesprächen mit Kunden entwickelte ich 2021 mein Online-Programm für berufstätige Hundeeltern: “Work-Dog-Balance”. 

Dort lehre ich, wie man seinen Hund entspannt, damit man stressfrei arbeiten kann. Egal, ob im Büro, Homeoffice oder auch, wenn der Hund alleine zuhause bleiben muss. Der Kurs ist ein großer Erfolg, und auch dort habe ich mir meine Wurzeln erhalten: Die Teilnehmerinnen arbeiten eng mit mir zusammen. Es ist persönlich, und ich stehe mit Rat und Tat zur Seite – ganz so, wie es auch meine Kundinnen in Oberösterreich gewöhnt sind.

Meine 7 Tipps, wie du eine erfolgreiche Selbständigkeit aufbaust

  1. Überlege dir eine Nische
    Mit einer Nische positionierst du dich innerhalb deiner Nische (z.B. HundetrainerIn) nochmal spitzer. Daher finden auch potenzielle KundInnen einfacher zu dir. Meine Nische ist zum Beispiel Hundetraining für berufstätige Hundeeltern und Bürohunde.
  1. Nimm dir Zeit für die Vorbereitung
    Zu starten ist oft eine große Hürde. Nimm dir daher genügend Zeit dich vorzubereiten und überlege dir, wie du dein Angebot nach draußen tragen möchtest.
  2. Warte nicht zu lange und starte unperfekt
    Auch wenn du dich vorbereiten solltest: Lass den Perfektionismus außen vor! Es bringt dir nichts, wenn du 100 Mal dein Branding änderst und keine KundInnen generierst. Unperfekt starten sollte für jede/n UnternehmerIn ein Leitsatz sein!
  3. Nutze Social Media
    Dort kannst du deine KundInnen nicht nur gezielt erreichen, du kannst dich auch mit ihnen austauschen. Das fördert die Verbindung zu den KundInnen und baut Vertrauen auf (das Vertrauen zu dir brauchen potenzielle KundInnen, um bei dir zu kaufen)
  4. Suche dir Gleichgesinnte
    Oft sind private Kontakte nicht die besten Ansprechpartner für Solopreneure. Suche dir daher Menschen, die auch selbstständig sind. So kannst du dich austauschen und ihr könnt euch gemeinsam motivieren
  5. Hole dir Unterstützung
    Egal wo du gerade stehst, eine/n MentorIn ist immer eine gute Idee. So kannst du deine Fragen in einem geschützten Raum stellen und du lernst von einem Menschen, der schon dort ist, wo du mit deinem Unternehmen hin möchtest.
  6. Definiere deine Unternehmenswerte und stehe dafür ein
    Dieser Tipp ist sehr wichtig. So kannst du vermeiden, dass du zB. KundInnen oder KooperationspartnerInnen annimmst, die eigentlich gar nicht zu dir passen und du permanent ein schlechtes Gefühl hast, wenn du mit ihnen arbeitest. Definiere deine Werte und bleibe ihnen treu. Meine Unternehmenswerte sind zum Beispiel: Praktisch, immer für den Hund & bedürfnisorientiert

Und heute? Selbstständige Hundetrainerin mit großen Zielen

Heute biete ich das Hundetraining für berufstägige Hundeeltern vor allem online an. Ich habe in den letzten Monaten noch deutlicher festgestellt, dass mir die individuelle Betreuung meiner Kundinnen sehr wichtig ist. Meine Kundinnen sind auch genau deshalb bei mir im Training. Daher setze ich in Oberösterreich beinahe ausschließlich auf Einzeltrainings.

Außerdem helfe ich in meinem Online-Programm “Work-Dog-Balance” weiterhin berufstätigen Hundeeltern, ihrem Hund beizubringen, wie er sich entspannen kann, während sie arbeiten. Das Programm wird ständig erweitert, und ich konnte auch schon ganz wunderbare Gast-Speakerinnen für den Kurs begeistern. Damit konnte ich meinen Mitgliedern tollen zusätzlichen Mehrwert verschaffen.

Netzwerk unter Hundeunternehmern

Die Vernetzung zwischen Hundeunternehmern ist meiner Meinung eines der wichtigsten Must-haves für angehende Selbstständige. Vor allem in der Hundebranche. Ich darf zu meinem Netzwerk eine Hundefotografin, eine Hundefriseurin, eine Hundemasseurin und viele großartige Hundetrainerinnen zählen. Austausch ist bei mir an der Tagesordnung. Ein Netzwerk kann vor allem am Anfang Vieles erleichtern. Daher mein Tipp für angehende Unternehmer: Vernetze dich unbedingt!

Meine Mission

Meine Mission ist es, dass es ganz normal wird, dass Menschen mit Hund arbeiten gehen. Dass es keine Verurteilungen mehr gibt und mit Hunden positiv und bedürfnisorientiert gearbeitet wird. Zudem wünsche ich mir, dass noch mehr Hundeeltern erkennen, dass es möglich ist den Hund zu entspannen, während sie arbeiten. Damit der Alltag nicht negativ vom Job oder vom Hund beeinflusst wird und Mensch und Hund glücklich miteinander leben können.

Über die Autorin

Kerstin Quast ist ausgebildete Hundetrainerin und spezialisiert auf Bürohunde & das entspannte Alleinebleiben. Die 29-jährige bildet sich ständig weiter und hat eine fundierte Ausbildung zur Hundetrainerin bei Ziemer & Falke in Deutschland absolviert und ist zertifizierte Fear Free Trainerin. Kerstin hilft berufstätigen Hundeeltern, ihrem Hund beizubringen sich zu entspannen, während sie arbeiten – ganz ohne stressige Vorbereitung. Mehr über Kerstin findest du auf ihrer Website.

Kontakt zu Kerstin:

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