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Angst bei Hunden

Angst bei Hunden

Hunde haben besonders ausgeprägte Sinne – zum Beispiel riechen und hören sie deutlich besser als wir. Diese besonderen Fähigkeiten haben, wie alle anderen Eigenschaften auch, zwei Seiten der Medaille: Einerseits sichern sie das Überleben, andererseits machen sie besondern sensibel für Umweltreize. Du kennst sicher Situationen, in denen dein Hund vor dir bemerkt hat, dass “jemand kommt” oder sonst irgendetwas Ungewöhnliches um euch herum passiert. Durch Genetik, fehlende Sozialisierung oder vorangegangene negative Erfahrungen kann diese Sensitivität auch Unsicherheiten und Ängste auslösen. Der Grund für Angst und Unsicherheit ist immer die  negative Bewertung einer (im besten Fall neutralen) Situation.

Angst hat einen Sinn

Was für den Hund gilt, gilt auch für den Menschen: Ohne das intuitive Einordnen von Situationen in “normal” oder “ungewöhnlich” wären wir in unserem Alltag völlig überfordert. Wir brauchen diese Vereinfachung, um einen “Plan” vom Leben zu entwickeln. Dinge, die wir als “normal” bewerten, haben wir schon tausendmal erlebt und einen festen, oft unbewussten Plan, mit der Situation umzugehen. Sie beunruhigen uns nicht. Sind sie ungewöhnlich, müssen wir uns den Umgang mit Situationen erarbeiten. Geht dabei etwas schief, sind die Weichen für Angst gestellt. Das kennen wir, wenn wir an Wespen denken. Es muss nicht einmal sein, dass ein Kind gestochen wird, wenn es erstmals eine Wespe sieht. Es reicht der Einfluss der Erwachsenen, die auf die Wespe ängstlich reagieren. Ab sofort wird das Kind die Wespe voraussichtlich “negativ” bewerten und vermutlich selbst ängstlich reagieren.

In der Natur ist Angst überlebenswichtig. Auch hier geht es um Vereinfachung für eine schnelle Entscheidung über das richtige Verhalten: Angriff oder Flucht. So entscheidet die Wildschweinmutter sich reflexartig für Angriff, sobald sie ihre Frischlinge bedroht sieht, das Reh entscheidet sich für Flucht. Wenn du eine Straße überquerst und plötzlich ein Motorrad um die Ecke gerast kommt, brauchst du dank dieser instinktiven Einteilung nicht groß überlegen, wie du dich verhalten könntest. Wie sinnvoll die Angst vor einer Spinne ist, ist uns vom Verstand her klar – trotzdem ist sie die am häufigsten vertretene Angst im Alltag von Menschen. Grund dafür ist eine fehlgeleitete Bewertung. Und genau das kann auch deinem Hund passieren.

Schauen wir uns einmal an, welche Ängste im Alltag mit Hund häufig vorkommen.

Angst vor Feuerwerk und Gewitter

Silvester und auch Tage mit Gewitter sind für viele Hundebesitzer eine echte Herausforderung. Viele Hunde geraten in panikartige Zustände. Vermenschlicht denken wir: “Ist ja auch klar, der Hund versteht nicht, woher die Geräusche kommen.” Und ja: Es ist furchtbar laut! Aber in erster Linie sind es nur “Geräusche”. Bei Hunden kommt sogar noch die Komponente “Geruch” hinzu, übrigens nicht nur an Silvester. Es gibt Hunde, die riechen ein aufkommendes Gewitter. Und sie spüren die elektrische Ladung der Blitze im Fell. An Gewittertagen sieht der Hund sich also einer unangenehmen Reiz-Reaktions-Kette ausgesetzt: Geruch – elektrisch aufgeladene Luft – Geräusch. Das erklärt, warum Hunde, deren Angst schon  gefestigt ist, schon Stunden vor dem eigentlichen Gewitter mit Unruhe reagieren. Wenn du verzweifelt bist, weil gewitterträchtige Jahreszeiten und der letzte Tag im Jahr für deinen Hund eine große Einschränkung darstellen, gib nicht auf: Es gibt Mittel und Wege, an eurem Thema zu arbeiten. Wende dich hierzu an einen Hundetrainer, der sich auf Angst, idealerweise auch auf Geräusch- und Umweltangst, spezialisiert hat.

Angst beim Autofahren

Autos sind groß und laut, und sie bewegen sich schnell. Gewöhnt man einen Welpen frühzeitig ans Autofahren, indem man diese Begleiterscheinungen mit positiven Erfahrungen wie Spiele, Kuschelzeit oder Leckerchen verknüpft, hat man in der Regel kein Problem. Wenn dein Hund aus dem Tierschutz stammt oder du ihn aus einer anderen Familie übernommen hast, die das nicht beachtet hat, wird es für dich schwierig. Es gibt Hunde, die unter der Reisekrankheit leiden. Aber nur in seltenen Fällen handelt es sich hier wirklich um eine körperliche Ursache, die medikamentös behandelt werden kann. Meist steht dahinter die falsche Bewertung der Situation und damit antrainierter Stress. Auch hier kannst du mit ein paar Tricks gezielt dagegen arbeiten. Ein paar Ideen dazu findest du hier.

Angst vor dem Tierarzt

Auch der Tierarzt ist für viele Hunde Grund zur panischen Eskalation. Und auch hier liegt die Ursache entweder in schlechten Erfahrungen (Schmerzen, unangenehme Berührungen) oder im fehlenden Training zur Welpenzeit. Eine gute Hundeschule empfiehlt dir, so früh wie möglich den ersten Tierarztbesuch anzugehen, und zwar nicht sofort zum “Pieksen”. Zu allererst geht es darum, das Hundebaby daran zu gewöhnen, dass es an Ohren, Augen, Nase, Hinterläufen usw. angefasst wird und dies keine Bedrohung ist. Die meisten Tierärzte sind darauf vorbereitet und arbeiten beim “Training” gut mit, indem sie die Situation für deinen jungen Hund mit Keksen positiv bestärken. Falls sie es nicht von sich aus tun, kannst du sie darum bitten und selber Leckerchen bereit halten. Auch im Falle vom Tierarzt kannst du mit Training an den Ängsten arbeiten, wenn dein Hund schon schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Im Übrigen gilt dasselbe für den Besuch beim Hundefrisör.

Angst vor dem Alleinsein

Drastische Veränderungen im Tagesablauf, Tod des Vorbesitzers, Umzüge können Trennungsängste auslösen. In besonders schlimmen Fällen gerät der Hund in phobische Zustände, sobald der Halter das Haus (oder auch nur den Raum / das Sichtfeld) verlässt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist eine Abgrenzung zwischen echter Trennungsangst und der Angst vor dem Kontrollverlust. Gerade im Zusammenhang mit Angst neigen wir dazu, die “Gedanken” unserer Hunde zu vermenschlichen. Wenn du dir nicht sicher bist, warum dein Hund unruhig wird, sobald du ihn “verlässt”, solltest du dir den Rat eines Hundetrainers einholen. Oftmals sind Halter überrascht, sobald die Ursachen der vermeintlichen “Angst” gefunden sind. Durch gezieltes Training und Konsequenz kann hier Abhilfe geschaffen werden.

Natürlich gibt es noch weitere Ängste, wie z.B. die Angst vor fremden Hunden, Menschen oder auch unbekannten Objekten. Wende dich an eine/n gute/n Hundetrainer/in in deiner Region, wenn du Unterstützung brauchst. Oder du besuchst eins unserer Events: Wir haben Vorträge und Workshops im Programm, mit denen wir dir Impulse geben möchten, wie du deinem Hund aus der Misere heraushelfen kannst.

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