Berufe in der Hundebranche sind vielseitig. Doch die meisten haben gemeinsam, dass man eigentlich mehr mit den Halter*innen als mit den Hunden arbeitet. Eine Ausnahme bildet da die Arbeit als Tierphysiotherapeut*innen: Hier steht ganz klar der Vierbeiner im Fokus, und du kannst deine Tätigkeit direkt am Tier ausüben. Arbeiten als Tierphysiotherapeut*in ist ein Berufszweig, der bedauerlicherweise noch nicht sonderlich bekannt ist – aber er ist sehr wichtig, denn Tierphysiotherapeut*innen können die Lebensqualität unserer Hunde enorm steigern. Zumal es leider die traurige Wahrheit ist, dass immer mehr Hunde schon frühzeitig Probleme mit dem Bewegungsapparat haben. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Tätigkeit immer gefragter wird.
Im folgenden Artikel erfährst du mehr über die Arbeit von Tierphysiotherapeut*innen und welche Herausforderungen der Beruf mit sich bringt.
Was genau macht man bei der Arbeit als Tierphysiotherapeut*in?
Die Arbeit als Tierphysiotherapeut*in zählt zu den sogenannten „kurativen Berufen” – genauso wie Tierärzt*in und Tierheilpraktiker*in. Dies bedeutet, dass die Heilung bzw. die Linderung von Schmerzen im Vordergrund steht. Doch im Gegensatz zu anderen kurativen Berufen bist du in der Tierphysiotherapie auf den Bewegungsapparat von Tieren spezialisiert. Mithilfe von manuellen Therapieverfahren wie beispielsweise klassischer Massagetechniken oder dem gezielten Einsatz von Wärme und Licht wird dafür gesorgt, dass das Muskel- und Skelettsystem des Tieres gestärkt und/oder wieder aufgebaut wird. Somit dient die Arbeit sowohl der Rehabilitation als auch der Prävention. Um einen größtmöglichen Erfolg bei der Therapie zu erzielen, werden auch die Halter*innen darin geschult, bestimmte Übungen Zuhause mit dem Tier durchführen zu können. Da es ein unbeschreiblich schönes Gefühl ist, wenn man bei seinem Tier Schmerzen lindern kann, sind die meisten Menschen auch hochmotiviert und machen die Übungen gewissenhafter als so manche Einheit beim Hundetraining.
Überwiegend arbeiten Tierphysiotherapeut*innen Hand in Hand mit Tierärzt*innen und unterstützen insbesondere Tiere, die im Sportbereich tätig sind. Manche teilen sich sogar eine Praxis oder sind gänzlich mobil tätig. Dies kannst du ganz gezielt den eigenen Vorstellungen und Wünschen anpassen, wenn du den Beruf ausübst.
Welche Voraussetzungen gibt es für die Arbeit in der Tierphysiotherapie?
Leider ist dieser Berufszweig in Deutschland weder gesetzlich geregelt, noch anerkannt. Dies bedeutet, dass sich prinzipiell jede*r „Tierphysiotherapeut*in” nennen darf, unabhängig davon, ob das entsprechende Fachwissen vorliegt.
Dies hat leider auch zur Folge, dass es große Qualitätsunterschiede beim Aus- bzw. Weiterbildungsangebot gibt. Solltest du dich für die Arbeit in der Tierphysiotherapie interessieren, achte bei der Wahl deines Ausbildungsinstituts unbedingt darauf, dass es sowohl einen Praxis- als auch einen Theorieteil gibt. In der Regel dauert die Ausbildung zwischen 12 und 24 Monaten, und der Einstieg ist jederzeit möglich. Am Ende der Ausbildung musst du eine Prüfung ablegen, nach deren Bestehen du ein Zertifikat erhältst. Da sich die Therapieverfahren stetig weiterentwickeln und man selbst ja bekanntlich nie auslernt, sind regelmäßige Fort- und Weiterbildungen in diesem Berufszweig eine Selbstverständlichkeit.
Ein bestimmtes Vorwissen ist für die Ausbildung zum/zur Tierphysiotherapeut*in jedoch nicht nötig. Du kannst sie entweder ergänzend ablegen, wenn du bereits als Tierärzt*in oder Tierheilpraktiker*in arbeitest, oder du absolvierst sie, um in diesem Bereich in die Selbstständigkeit zu starten. Allerdings reicht ein fundiertes Fachwissen alleine nicht aus, um in diesem Beruf bestehen zu können. Du solltest schon gewisse Eigenschaften mitbringen. Beispielsweise ist ein generelles Interesse an Tieren und an Biologie beziehungsweise Anatomie auf jeden Fall von Vorteil. Außerdem solltest du dich nicht davor scheuen, sehr nah mit den Tieren zusammenzuarbeiten, da du diese anfassen und abtasten musst. Eine Tierhaarallergie oder eventuelle Ängste können da ziemlich hinderlich sein. Da du mit Hunden jeglicher Rasse arbeiten wirst – von riesengroß bis miniklein – ist eine gewisse Feinmotorik, aber auch eine körperliche Belastbarkeit unabdingbar.
Bedenke, dass viele Hundehalter*innen zu dir kommen werden, wenn ihr Tier bereits Probleme hat. Sprich, die Menschen werden vermutlich besorgt sein – die Gesundheit des eigenen Vierbeiners ist nun mal ein hochemotionales Thema. In solchen Situationen ist viel Feingefühl und auch das richtige Maß an Empathie von dir gefragt. Sei dir bewusst, dass du zu einem gewissen Teil auch eine Art „Seelsorger*in” für deine Kund*innen sein wirst.