Lebensretter Hund

Rettungshund Barry war der Erste

Schon seit Jahrtausenden ist der Hund als Haus- und Arbeitstier bekannt. In der Geschichte finden sich aber nur wenige Beispiele von Hunden, die Menschenleben gerettet haben. Den Stein ins Rollen brachte im 17. Jahrhundert das Hospiz auf dem Grossen Sankt Bernhard. Dort wurden nämlich die ersten Bernhardiner gezüchtet, deren Aufgabe es war, den verschneiten Weg zum Kloster zu finden. Sie führten verschüttete Menschen zum Hospiz und retteten ihnen damit das Leben. So soll “Barry” in den Jahren 1800 bis 1812 mehr als 40 Eingeschneite geborgen haben.

Rettungshund Barry

Rettungshund Barry im Berner Museum
Foto: Welt

Als er 1814 starb, ließ ihn der Prior der Augustiner-Chorherren ausstopfen und machte ihn damit unsterblich. Seit 1923 ist der Bernhardiner im Naturhistorischen Museum Bern zu bewundern. Die Requisite um den Hals, das Schnapsfass, hat Kultstatus erreicht. 1956 wurde mit dem Mythos aufgeräumt, der Hund habe das “Lebenswasser” den Lawinenopfern hingehalten: Laut Aussage eines Geistlichen des Hospizes haben die Rettungshunde zu keiner Zeit ein Rumfässchen getragen. Weil Barry zu diesem Zeitpunkt längst eine Schweizer Ikone geworden war, hat sich auch bis heute noch niemand getraut, ihm das Fass mit dem Schweizer Kreuz abzunehmen. Nicht zuletzt die Werbeindustrie profitiert heute noch davon.

Sanitätshund Erster Weltkrieg

Sanitätshund Erster Weltkrieg
Foto: Berger De Beauce

Helfer in Krieg und Frieden bis heute

So richtig “entdeckt” und systematisch genutzt wurde die Eignung zum Rettungshund allerdings erst im 19. Jahrhundert, nämlich im Krieg. Hier gab es mannigfaltige Einsatzmöglichkeiten: Hund als Melder, Transporter für Munition, Spürhund im Sanitätsdienst. Dem Einsatz bei den Sanitätern ist zu verdanken, dass aus knapp einem Dutzend im Verlauf des Ersten Weltkrieges mehr als 4000 eingesetzte Rettungshunde wurden, die aus Privathaushalten und Zuchten leihweise zur Verfügung gestellt wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurden an allen Fronten über 200.000 Hunde eingesetzt, allein in Deutschland starben davon etwa 25.000. Der Bedarf war so groß, dass die Wehrmacht Besitzer von für die Rettung geeigneten Hunden kurzerhand enteignete. In der Schweiz begann Ferdinand Schmutz 1940, Hunde zu Lawinenhunden auszubilden. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde außerdem durch Zufall der Trümmerhund entdeckt: Wieder spürten Hunde, ähnlich wie schon Barry im hochmittelalterlichen Hospiz, Menschen auf – diesmal unter Trümmern zerbombter Häuser. Nach dem Zweiten Weltkrieg fing man an, die Ausbildung von Rettungshunden zu systematisieren, und ab 1968 begann man in der Schweiz auch Katastrophenhunde auszubilden.

Trümmerhund Erdbeben Iran

Trümmerhund Erdbeben Iran
Foto: Pouria Pakizeh/ISNA/AP/dpa

Durch Einsätze bei Erdbeben 1967 in Italien, 1977 in Rumänien und 1980 in Algerien wuchs die Einsicht, dass ausgebildete Hunde auch in Friedenszeiten wertvolle Unterstützer sind. Bis 1981 sträubten sich die zuständigen Behörden, im Katastrophenschutz von Ortungsgeräten als Hilfsmittel abzuweichen, sodass Rettungshundestaffeln sich ausschließlich selbständig gegründet und Hilfsorganisationen wie THW, Feuerwehr u.ä. angeschlossen haben. Erst dann wurde der Bundesverband für das Rettungshundewesen e.V. gegründet. Heute ist der Rettungshund längst in der Alltagswelt angekommen. Man unterscheidet im Wesentlichen sieben verschiedene Rettungsarten: Flächensuche, Trümmersuche, Lawinensuche, Wasserrettung, Mantrailing, Leichensuche und Wasserortung.

Rettungshund im Einsatz

Rettungshund im Einsatz
Foto: Feuerwehr Neuss

Rettungshundestaffel der Neusser Feuerwehr

Schon seit vielen Jahren gibt es innerhalb der Neusser Feuerwehr – genauer gesagt beim Löschzug Grefrath – Feuerwehrleute, die Mitglied in einer Rettungshundestaffel waren. Weil die Einsätze überregional stattfinden und die Fahrten zu den Ausbildungseinheiten nach u.a. Aachen auf Dauer mühselig waren, entschieden die Feuerwehrmitglieder, ihre Rettungshunde am Heimatort einzusetzen. So entstand Anfang 2018 die Idee, eine eigene Hundestaffel in der Feuerwehr Neuss zu gründen (Flächen- und Trümmersuche). Beheimatet ist sie inzwischen in Grefrath: Dort findet die Ausbildung statt, und hier werden auch Ausrüstungsgegenstände gelagert und gewartet. Hundehalter, die sich für eine Aufnahme in der Rettungshundestaffel interessieren, müssen über eine Feuerwehrgrundausbildung und über die Ausbildung zum Rettungshundeführer verfügen. Für den Zugang zur Rettungshundeausbildung sind neben einem ausgeprägten “Will to please” des Hundes unbedingt auch seine entsprechende körperliche Konstitution sowie Wesensfestigkeit notwendig. Ein Rettungshund wird zwar an der Leine an die Situation herangeführt – im Einsatz ist es allerdings erforderlich, dass er eigenverantwortliche Entscheidungen treffen kann. Die Eignung wird in mehrstufigen Testungen und Vorgesprächen abgeprüft. Im April 2018 fand die erste eigene Rettungshundeprüfung der Feuerwehr Neuss statt. Neben Grundgehorsam und Gewandtheit müssen jeweils eine Prüfung in Flächen- und Trümmersuche absolviert werden. Bei der Flächenprüfung gilt es, auf einer Fläche von über 30.000 m² zwei versteckte Personen zu finden. Die Trümmersuche wird auf einer Fläche von 500 m² durchgeführt, auch hier muss der Hund zwei “verschüttete” Menschen finden.

Rettungshunde unterstützen auf dem Neusser DOGRUN

Als Neusser Verein, der ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckt, ist es uns ein besonderes Anliegen, lokale Projekte zu stärken, die zu unserer Vision passen. Die finanziellen Mittel der Stadt Neuss zum Ausbau der Staffel sind begrenzt. Im Interview berichtete der Staffelführer uns, dass neben Geräten zusätzliche Kenndecken, Signalsteller und Beißrollen benötigt werden, um die Ausbildungsmöglichkeiten und auch die Rettungshundearbeit zu erweitern. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Hälfte des Erlöses unserer Benefizveranstaltung, dem Neusser DOGRUN, am 22.09.2018 an die Rettungshundestaffel der Neusser Feuerwehr zu spenden. Auch die andere Hälfte fließt in die Ausbildungsarbeit von Hunden.

Schirmherrin Claudia Ludwig

Schirmherrin Claudia Ludwig
Foto:Tiervision

Wir laden Sie an dieser Stelle ein, unsere Veranstaltung zu besuchen. Claudia Ludwig, die ehemalige Moderatorin von “Tiere suchen ein Zuhause” (WDR), wird als Schirmherrin mit ihrem Herzblut durch den Tag führen. Es warten spannende Interviews auf Sie, die sich – ja, richtig! –  alle im weiteren Sinne um Rettungs- und Assistenzhunde drehen. Wenn Sie sich für eine Teilnahme am Lauf interessieren, müssen Sie nicht einmal besonders sportlich sein: Jogger haben die Möglichkeit, zwischen 10.00 und 11.00 Uhr ungestört ihre Runden zu drehen – alle Anderen dürfen ab 11.00 Uhr starten, ganz egal, ob gehend, walkend oder rollend. Uns interessiert nur die Strecke! Weitere Informationen zur Anmeldung finden Sie hier. Wenn Sie uns und die Rettungshunde durch Geld- oder Sachspenden unterstützen, ein Werbebanner auf der Veranstaltung platzieren oder uns einfach nur Ihre Manpower ausleihen möchten, schreiben Sie uns gerne eine Mail.

2 Kommentare

  • Jason

    Hi,
    Wirklich ein super Vorhaben. Eine sehr alte Tradition, die bis heute fortgeführt wird um Menschenleben zu retten. Macht weiter so, solche Menschen, die für etwas stehen brauchen wir!
    Danke:)

    Viele Grüße

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    • Birgit Imhof

      Hallo Jason,
      vielen Dank für dein Feedback! Wir machen gerne weiter. 🙂

      Viele Grüße zurück

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