Frisbee

Hunde-Frisbee: Fang- und Tricksport aus den USA

Frisbeespielen mit Hund, das kann doch nur aus Amerika kommen!  Richtig, genau da kommt es her. Tatsächlich hat 1970 ein verrückter Amerikaner mit seinen Frisbee-Tricks in der Pause eines Baseball-Meisterspiels die Zuschauermenge völlig von sich begeistert. Und so war eine neue Trendsportart mit Hund geboren. Als “Erfinder” des Discdoggings kann sich daher dieser Mann, Alex Stein, mit seinem Wippet Ashley bezeichnen.
Etwa 25 Jahre später “erfand” Jochen Schleicher das Deutsche Discdogging mit einem von langer Hand geplanten räuberischen Überfall durch seinen Hund Butch, der während einer Frisbee-Session im Park mit seinem Kumpel die Scheibe im Flug entwendete. Die Beiden entwickelten nach diesem Zwischenfall gemeinsamen Spaß am Frisbeespielen. Nach und nach mauserte sich die damals neue Hundesportart sogar zu einem Wettkampfsport.
In verschiedenen Disziplinen gibt es besonders tolle Tricks, viele Würfe und Fänge in kurzer Zeit oder über besonders lange Distanzen.
Schauen Sie hier in einer Sequenz aus dem amerikanischen Wettbewerb an, wie vielseitig so eine Freestyle-Discdogging-Choreographie sein kann.

Ein Sport für bewegungsfreudige Hunde

Grundsätzlich ist es erst einmal egal, welcher Rasse Ihr Hund angehört oder welche Größe er hat. Durch die Möglichkeit, Wurfweite und -höhe zu steuern, können auch kleine Hunde viel Spaß mit der Sportart haben.
Frisbee ist ein selbstbelohnendes Spiel, für das man zum Erlernen keine Leckerlis benötigt.
Springt Ihr Hund nicht schon direkt auf die Frisbee an, kann mit kleinen Zerrspielen die Scheibe interessant gemacht werden. Zunächst ist schon einmal gut, wenn der Hund begeistert nach der Scheibe schnappt!
Der gemeinsame Spaß steht bei dieser Sportart ganz besonders im Vordergrund.

Zur Sicherheit vorab: Fitness- und Gesundheits-Check

Vor dem Beginn mit dem Frisbee-Spiel sollten Sie Ihren Hund unbedingt vom Tierarzt auf Herz- und Kreislaufkrankheiten sowie Probleme mit Knochen, Gelenken und Muskeln untersuchen lassen. Gibt er grünes Licht, steht Ihrer neuen Freizeitbeschäftigung mit Ihrer feuchten Schnauze nichts mehr im Wege.
Beginnen sollte man das Training nicht, bevor der Hund ausgewachsen ist, und das ist zwischen dem 15. und 18. Lebensmonat. Bis dahin sollten Sprünge und abrupte Stops vermieden werden. Als Vorbereitung können bereits früher kleine Zergelspiele mit der Scheibe eingebaut werden. Oder Sie lassen Sie einfach mal über den Boden rollen.
Grundsätzlich ist auch später darauf zu achten, dass der Hund nicht steil in die Luft springt und hart mit der Hinterhand aufkommt. Dieser Bewegungslauf ist für Hunde nicht natürlich und belastet dadurch unnötig die Hinterhand. Flach geworfene Scheiben, die im Flug gefangen und sanft ausgelaufen werden können, sind hingegen kein großes Problem für gesunde Hunde. Diese Art Spiel ist deutlich unschädlicher als das bekannte Bällchen-Spielen mit den dafür typischen Stop-and-Go-Bewegungen.

Geh’ nie mit vollem Magen schwimmen!

Was wir Menschen von Kleinauf beigebracht bekommen haben, gilt in ähnlicher Form auch für Hunde: Etwa 3 Stunden vor dem Training sollte Ihr Vierbeiner keine größeren Mengen an Futter mehr zu sich genommen haben. Das kann, ganz besonders bei größeren Hunden, zu Magendrehungen führen.
Und auch wie bei uns Menschen: Vor dem Sprint ist ein gutes Aufwärmtraining wichtig. Durch etwas Freilauf oder ein paar Roller sollten die Muskeln zunächst geschmeidig werden, bevor Sie mit richtigen Sprüngen und weiten Würfen loslegen. Dadurch wird das Risiko von Muskelverletzungen und Unfällen minimiert.

Frisbee erfordert Einiges an Koordination…

Frisbee kann man fast überall spielen

Man braucht eine Wiese mit weichem Untergrund ohne Löcher (Achtung, Unfallgefahr!), natürlich den Hund und zu Anfang zwei bis drei Frisbees – später können es auch mehrere sein, wenn Sie und Ihr Hund Geschmack am Discdogging gefunden haben.
Das ist ja wirklich nicht viel. Toll, oder?
Und weil eine Hundefrisbee in der Regel sehr elastisch ist, findet sie hinter fast jedem Hosenbund Platz! Kleine Frisbee-Sequenzen lassen sich dadurch perfekt als Highlight während der täglichen Gassirunde einbauen!
Länger als 3-5 Minuten sollten die ersten Spiel-Sequenzen aber auf keinen Fall sein, denn das Aus-der-Luft-Schnappen verlangt Ihrem Hund ein hohes Maß an Konzentration ab. Ich merke ganz gut nach 15-20 Würfen, dass Isa nicht mehr so gezielt fängt und breche sofort mit dem letzten Erfolgserlebnis ab. Insbesondere untrainierte Hunde sollten langsam herangeführt werden, um sie weder körperlich noch geistig zu überlasten.
Vor dem Wurf sollte man außerdem die Windrichtung beachten. Weder darf gegen noch mit dem Wind geworfen werden. Beide Flugrichtungen führen zu unberechenbaren Flugwegen für den Hund. Besser ist es, im rechten Winkel zum Wind zu werfen.

Nicht jede Scheibe ist geeignet

Es sind viele Frisbees im Handel erhältlich, die nur für den Gebrauch von Menschen geeignet sind. Da Ihr Hund die Scheibe mit den Zähnen fängt, ist unbedingt darauf zu achten, dass sie so weich ist, dass sie ihnen nicht schadet und weder splittern kann noch scharfe Kanten hat.
Einige Beispiele, wie Frisbees nicht sein sollen, finden Sie hier.
Für besonders kaufreudige Gesellen gibt es extra bissfeste Scheiben im Handel.

Üben Sie vorher das Handling mit der Frisbee

Zunächst sollten Sie, wenn Sie nicht gut trainiert sind, das Werfen als Trockenübung durchführen. Mir jedenfalls geht es so, dass ich leichte Wurf-legasthenische Züge habe. Bälle mögen mich überhaupt nicht! Frisbees sind da schon etwas gnädiger. Tatsächlich hat es nicht allzu lange gedauert, bis ich das Teil dahin bekommen habe, wo es auch ungefähr landen sollte. Und der Hund ist wesentlich agiler als so ein Tor… Da ist es nicht ganz so schlimm, wenn das Ziel ein wenig verfehlt wird. Also keine Sorge: Auch wer in der Schulzeit nicht immer als Erstes in die Handballmannschaft gewählt wurde, kann am Discdogging Spaß finden. Üben sollten Sie zunächst das Rollen auf dem Boden und die Rückhand.
Die Scheibe wird beim “Roller” fast senkrecht am Rand der Scheibe gehalten und eingerollt bis zum Handgelenk, geworfen, sodass die Scheibe über den Boden rollt. Auch “der Roller” gehört schon zu den bewerteten Würfen im Wettkampf.
Bei der Rückhand wird die Scheibe am Rand gehalten, die Schulter ist zum Ziel gedreht. Beim Wurf dreht man sich mit dem Wurfarm zum Ziel und benötigt dafür Platz zum Ausholen. Mit dem Handgelenk gibt man genügend Rotation auf die Scheibe.
Die Griffe der Frisbee sind hier auch noch mal gut an Hand von Fotos dargestellt.

Erst danach ist der Hund dran: Auch Fangen will gelernt sein.

“Endlich! Mama kann werfen – jetzt darf ich auch fangen!” Tatsächlich ging das Fangen bei unserer Hundedame aber nicht von selber. Übung macht da wirklich den Meister! Auch beim Hund gilt dasselbe Sprichwort, wie so oft!
Ist Ihr Hund bereits begeistert von der Frisbee? Beim Zergeln und Rollen funkeln die Augen begeistert? Sehr gut! Dann können Sie mit der ersten Wurfübung beginnen. Dazu hocken Sie sich rechts neben Ihren sitzenden Hund, die Scheibe in der rechten Hand, und werfen nur im Ansatz auf Schnauzenhöhe ca. 30-50 cm weit, sodass der Hund die Frisbee aus dem Flug schnappen kann.
Alternativ kann man auch einen so genannten “Heber” unmittelbar vor sich werfen, während der Hund sich neben Ihnen befindet und die Scheibe ebenfalls aus der Luft auf Schnauzenhöhe schnappen kann. Beim Heber bekommt die Scheibe eine Rotation mitgegeben, so dass sie für kurze Zeit waagerecht in der Luft liegt und um sich selber dreht.
Damit der Hund ein Gefühl fürs Fangen aus der Luft bekommt, kann diese Übung einmal einige Male über mehrere Tage hinweg wiederholt werden. Die Wurfweite kann bei Erfolg immer weiter vergrößert werden.
Einen guten Einstieg bekommen Sie über die Videos von Jochen Schleicher oder Thomas Stens.
Wenn Sie lieber persönliche Anleitung mögen, können Sie sich nach Seminaren oder Kursen in Ihrer Nähe umsehen, wie zum Beispiel beim Hundetraining Meerbusch.

…und macht Hund und Mensch jede Menge Spaß!

Steigert Discdogging den Jagdtrieb meines Hundes?

Das habe ich mich als Halter einer kleinen Jagdsau natürlich direkt gefragt. Nicht zuletzt deswegen ist unsere Prinzessin auch so ein guter Frisbee-Fänger!
Man muss sich ehrlicherweise immer Gedanken darüber machen, dass das Hinterherhetzen und -fangen eines bewegten Gegenstands eher den Jagdtrieb fördert oder weckt als ihm entgegen zu wirken. So ehrlich sollte man mit sich sein. Allerdings – arbeitet man mit einem triebigen Hund, ist die Ausübung mit absolutem Augenmaß zu betreiben. Außerdem tut man sehr gut daran, mit entsprechenden Impulskontrollübungen zumindest etwas für die Triebsteuerung und Impulskontrolle zu tun. (Zu Näherem befragen Sie bitte ausgebildete Hundetrainer mit Spezialisierung auf Anti-Jagdtraining!) Merken Sie, dass Ihr Hund durch das Frisbeespiel schlechter kontrollierbar wird als zuvor, sollten Sie den Sport dringend wieder ad acta legen. Wenn ich meinen Hund allerdings durch kleine Frisbee-Sequenzen während unserer Ausflüge so begeistern kann, dass der gemeinsame Spazierengang ein Erlebnis wird, weil er nie sicher sein kann, auf welcher Wiese als nächstes mit der tollen Scheibe gespielt wird, besteht genau deswegen bei selbstständigen und abenteuerlustigen Schnauzen die Chance, sie etwas mehr an sich zu binden und zum Bleiben zu überzeugen.
Hier müssen also Halter von entsprechenden Hunden selbst ausprobieren, was es mit ihren jagdlich ambitionierten Gefährten macht.

Und nun viel Spaß bei Ihren ersten Selbstversuchen!