Apportieren – aber richtig!

Apportieren scheint auf den ersten Blick eine logische und einfache Möglichkeit zu sein, seinen Hund “irgendwie” zu beschäftigen: Ab in den Wald oder ans Wasser – Stöckchen werfen. Oder? Einige werden jetzt stöhnen…
Nein. Kein Stöckchen bitte. Wirklich nicht!
Klar, der Hund wetzt aller Wahrscheinlichkeit nach los, und in 99 von 100 Fällen wird alles gut gehen. Wenn er Ihnen das Gerät auch nicht zwingend zurück bringt, so wird er es doch zumindest aufnehmen und vielleicht darauf rumkauen. Oder er versucht es noch zu fangen, bevor es in exorbitanter Entfernung wieder zu Boden geht.
Ich habe inzwischen gelernt: Das ist nicht gut. Und zwar aus verschiedenen Gründen.

Ein sicheres Spielzeug auswählen

Wenn Ihr 100ster Wurf zufällig so elegant ausgeführt wird wie der eines Profi-Darters, landet der Stock möglicherweise wie ein Pflock im 90-Grad-Winkel im Waldboden. Hat Ihr Hund genauso viel Temperament wie meine Junghündin Lilly und ist er dazu nicht aufmerksam genug, läuft er Gefahr, sich selber aufzuspießen – indem er sich vor lauter Aufregung den Stock in den Gaumen, oder noch schlimmer, in den Rachen rammt. Aua! Nehmen Sie also lieber etwas Weiches, ein Stofftier, einen Futterbeutel, oder ein Apportierspielzeug. Ist gesundheitlich unbedenklich und schont Ihre Nerven.

Auspowern, aber gelenkschonend

Die armen Gelenke! Früher habe ich auch immer gedacht, je mehr Action, desto spaßiger für den Hund. Insbesondere, wenn Sie einen Welpen oder Junghund bei sich aufnehmen, der mal in die Kategorie “großer Hund” fallen wird, tun Sie Ihrem Vierbeiner damit keinen Gefallen. Das unkoordinierte Losrennen, zu viele Richtungswechsel und Stop-and-Go können das Wachstum stören und sich v.a. bei Rassen, die zu Hüft- und/oder Ellbogendysplasie neigen, negativ auswirken. Doppel-Aua!

Motivation ist die beste Bindung

Schade um die Hund-Halter-Bindung. Wenn Sie das Apportieren schrittweise aufbauen und dabei für Ihren kleinen (oder großen) Racker zu einer echten “Aufgabe” machen, stärken Sie dabei spielerisch Ihr gegenseitiges Vertrauen. Spiel ist für die meisten Vierbeiner ein großer Motivator, und der Anreiz wird umso größer, je mehr Belohnungsmomente der Hund dabei erlebt. Weil er etwas richtig gemacht hat, weil Sie sich darüber freuen und ihm das zeigen können, weil er dafür einen Keks bekommt, oder einfach nur noch mehr gemeinsamen Spaß.

Sie geben das Timing vor

Gehorsam. Ob Sie Ihren Hund antiautoritär erziehen oder nicht – so wie bei Kindern macht es auch bei Ihrem Vierbeiner Sinn, Grenzen aufzuzeigen. Wenn das beim Spielen geht, warum eigentlich nicht? SIE entscheiden, wann Ihr Hund die “Beute” holen darf, SIE belohnen. Sie werden sehen, wie viel schöner das Gefühl ist, wenn Ihr Begleiter nicht mit dem Ball in den nächsten Busch verschwindet, sondern anfängt, Sie ernst zu nehmen. Und, wer weiß? Vielleicht hat ja jemand wirklich bald Lust, Ihnen nach der Arbeit die Pantoffeln zu bringen?! Altmodisch? Ja, aber irgendwie doch auch schön.

Ich könnte noch weitere Punkte aufzählen, um Sie davon zu überzeugen, dass kopfloses Durch-die-Gegend-Werfen von Dingen Ihnen und Ihrem Freund nicht ansatzweise den Spaß bietet, den Sie mit ein bisschen mehr Mühe erreichen können. Aber ich schlage vor, dass Sie sich selbst ein Bild machen.

Auf eine hilfreiche und sehr ausführliche Anleitung zum schrittweisen Apportiertraining bin ich hier gestoßen. Oder möchten Sie, dass Ihr Hund Ihnen Ihr Telefon bringt? Dann schauen Sie mal, was Spaß mit Hund zum Thema “Apportieren für Haushaltshelfer” schreibt. Diese Seite lege ich Ihnen sowieso gerne ans Herz. Hier gibt es jede Menge Inspiration zu spannender Kopfarbeit für Ihren Freund. Die Ideen sind meist alltagsnah und sehr kostengünstig. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel man doch selber machen kann. Eine Auswahl an sinnvollen Apportierspielzeugen finden Sie hier.

Bitte recherchieren Sie unbedingt weiter! Es gibt so viele Anbieter mit schönen Ideen oder Trainingstipps.

Und: Viel Spaß beim Üben!